Fiktionen |
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Was wollen Sie denn von mir? Hat Ihnen die Klemm AG nicht über Jahrzehnte Arbeit gegeben? Sie nahmen sie sehr gerne an, auch wenn wir später gestritten haben immer mal wieder. Das gehört dazu, Demokratie ohne Auseinandersetzung funktioniert nicht und ein Riesenbetrieb wie der meine noch viel weniger. Lassen Sie sich das mal sagen, die Sie sich nie zu fein gewesen sind, ihn zur Ernährung Ihrer Familien zu nutzen. Ahnen Sie auch nur, wieviele Familien? Weltweit? Und außerdem. Hatten etwa Sie den Mut zu tun, was ich tat so wenige Jahre nach dem Krieg? Wer hatte die Visionen, und in wem von Ihnen kochte eine ähnliche Mischung aus Mutwille und Voraussicht, die es braucht, ein Unternehmen wie meines zu denken?...
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Eine Richtigstellung. Zu Jorge Luis Borges‘ Einhundertstem Geburtstag. Von Javier Otárola. |
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Die größte Leistung auf dem Gebiet der Fiktion ist die Erfindung unseres Ichs. Sie kommt der Anstrengung Neugeborener gleich, ihre Lunge aufzublasen, wobei man, als Mensch und zunehmend japsend, dann weiterblasen muß, nur um schließlich doch zu kollabieren. Daran ändert auch das Gepuste der Mitmenschen, allesamt Kurzatmer, nichts, die um die Bildung unseres Ichs solange mitkeuchen, bis wir gemeinsam ins Nichts zurückgefächelt sind. Nur wenigen gelingt es überhaupt und den wenigsten zu Lebzeiten, an Pneuma und Pneumatik derart zu pumpen oder pumpen zu lassen, daß sie, wie einen Platonismus, nicht etwa das Spiegelbild ihrer empirischen Person schaffen, sondern etwas, das ganz gleichberechtigt in der Realität hinzukommt. Marino brachte es bekanntlich dazu, am Vorabend seines Todes. Jorge Luis Borges, sein Schöpfer, hat es bereits zuvor dazu gebracht: Es sei ihm, der kein Ende findet, zu seinem 100 Geburtstag gratuliert....
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Ferne liegt es uns, die wir von Javier Otálora gebeten wurden, an dieser Stelle ein paar Worte dem 100. Geburtstag des nicht nur als Aleph-Entdecker berühmten, sondern an der mythischen Gründung von Buenos Aires namhaft beteiligten Jorge Luis Borges zu widmen... ferne, will ich sagen, liegt es uns, uns in irgend einer Weise über dessen empirische Persönlichkeit auszulassen. Diese ist ja als solche wie jedermannes eine Verschwimmende und fließt in die Persönlichkeiten anderer über, wer darf da scheiden? Sie ist darum restlos uninteressant --- ...
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Arndt |
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Neues von Arndt |
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"Ja,
ich habe getötet. Gerne getötet, Herbst."
Arndt und ich saßen im TORPEDOKÄFER, ein paar Treppen unterhalb
meiner Arbeitswohnung; ich hatte keine Ahnung, wie er meine Adresse herausbekommen
hatte...
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In
einer dieser lauen Nächte, die schon den afrikanischen Wind ahnen lassen
und so sehr schwarz sind, daß man meint, Pflanzen, Häuser und
die eigene Haut zerflössenen darin, erschien der Schut auf dem
Platz eines kleineren südfranzösischen Ortes in nahezu victorianischer
Kolonialtracht, indessen ein weites, vormals wohl weißes Hemd über
die Schultern geworfen, - oder erschien eben nicht.
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"Ich
will Honecker erschießen, ich bin auf der Durchreise," sagte
Arndt, zog die Gardine ein Stückchen beiseite und lugte hinunter auf
die Straße. Ich stand noch an der geöffneten Haustür im
Flur...
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Teile eines Gespäches, das der Biograph mit Arndt
1987 in Sizilien führte |
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Während
eines Italien-Aufenthaltes unternahm der Biograph zwei Reisen nach Sizilien.
Bezüglich namentlich der zweiten Reise, während derer er Arndt
bei Agrigento traf, sei hier nur angedeutet, daß sie sich schwieriger
und mühevoller als die erste gestaltete, nicht nur der kurzen Tage
wegen, aufgrund derer das Dunkel sich oft bereits gegen 16.30 übers
Land legte, so daß der Biograph einmal sogar gezwungen war, im Freien
zu übernachten, - sondern weil Arndt sich ganz offensichtlich auf der
Flucht befand. Vor wem und warum, wurde bis heute nicht klar, aber es läßt
sich ahnen...
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Hans Erich Deters |
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"Wie? Bücher in den Urlaub mitnehmen?"
"Nein, auf eine einsame Insel."
"Eben."
"Nicht Urlaub, Deters: Eine Katastrophe: die Welt, wie in
Ihrem furchtbaren Thetis-Buch, wurde überschwemmt."
"Und ich konnte mich retten? - Wieso hab ich dann Bücher dabei?"...
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Ich
war in der Klemme. Seit Hans Deters ein paar Textchen unter meinem Namen
veröffentlicht hat, womit ich mich über Wasser halte, indes
er inkognito bleiben kann (ich dürfe den Sachverhalt gerne öffentlich
gestehen, spottete er einmal, es glaube ihn sowieso keine Seele), klingelt
bei mir bisweilen das Telefon...
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Hiermit
gestehe ich, nicht der Autor meiner Texte zu sein...
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Sie
möchten wissen, welchen Einfluß des dieser Tage hoch geehrten
Herrn Walsers Werk auf meines ausgeübt habe. Dem kann ich, da ich nicht
selber schreibe, sondern unter meinem Namen bloß veröffentliche,
was Hans Erich Deters in seiner Börsen-Auszeit hobbyartig zu Laptop
bringt, insofern unschwer Antwort bescheiden, - nämlich: Keinen.
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