| Alban Nikolai
Herbst über |
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| Hermann Hesse: Ravenna |
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| Ich lernte Ravenna zweimal kennen, einmal
im Nebel, davor aber über ein Lied, das wie ein altes aber nicht
alt ist, weshalb ich seinen Text für Kitsch hielt wie vieles von
diesem Dichter. Ich ahnte nur, daß er sich in dem Lied wie dieses
sich in der Stadt erfüllte, als hätten die drei Strophen ihre
Vertonung beschworen und wären im Klang zu sich gekommen. Als ich
in strahlendem Sonnenschein von Venedig aus die Lagune und durchs PoDelta
südwärts fuhr, die Stimmen Hunderter Touristen im Ohr, dachte
ich aber nicht daran, sondern an venezianische Gesänge, an Vivaldi,
Sinopoli, und die italienischen macchine rasten in atemberaubenden Überholmanövern
an mir vorbei. Es wurde immer heißer, ich schwitzte - doch als ich
den Reno überfuhr und mich etwas landeinwärts hielt, trübte
sich die Luft Meter um Meter ein, und vor den Toren Ravennas stand der
Nebel. Es wurde, selbst bei geöffneter Scheibe, still. In einer Art
stummen Erschreckens gewahrte ich, als wären sie von dichterer Luft
gefiltert, Fahrradklingeln. Das ist für Italien, das ja nicht grundlos
als lärmend gilt, mehr als nur ungewöhnlich.
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(c) by
ANH, Berlin,Oktober 2000 |