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Alban Nikolai Herbst
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Mein Adorno, Dein Adorno - Adorno ist für alle
da
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Schon toll, wer Adorno alles gelesen hat! Und dann die Konsequenzen! Immerhin hatten zu meiner Zeit 7/5 aller philosophischen Hauptfachstudenten unter solcher Lektüre gestöhnt; sie hörten halt lieber Led Zeppelin... gleichzeitig, zugleich... jedenfalls bevor sie der manierierte Erkenntnisstil berauschte wie heutzutage guter Speed... wer läuft schon gern verwirrt in der Mensa rum? Und jetzt, über zwei Jahrzehnte später, ist aus denen was geworden, ja eigentlich hat jeder, der in der Bonner Republik was gilt, seinen Adorno nicht nur im Schrank, sondern gefleddert: Aus der Philosophie der Neuen Musik fallen lose die Blätter: Deshalb hat auch Dieter Bohlen zum Adornojahr in Sachen Harmonielehre & Moral so tief-Ergründetes zu sagen. Doch erst Verona Feldbusch brachte die Sache auf ihren Gräfenberg-Punkt (englisch: "to put s.th. to it's G-spot"): "Verweigerung ist geil", hauchte sie und leckte sich im Gespräch mit Johannes, nämlich Rau bei Kerner, den Nagellack trocken. Selbstverständlich hatte, nein: hat sie recht: Der Philosoph der Verweigerung, der seinen Lesern aus Furcht, sie könnten mißbraucht werden, alle festen Aussagen entzog, so daß wir stundenlang über Sätzen brüteten, die schön waren, aber wir konnten einfach nicht sagen, warum - der Denker des Unsagbaren, nicht Gegner, nein Feind identifizierender Erkenntnis- und Ästhetikmodelle - Hollywood brachte ihn furchtbar zum Kotzen; er verstand sie nicht, unsere Liebe zum Happy end -, dieser eingeschworene Verächter und Verachter des Pop macht des Poppers Intellekt nun zwischen den Beinchen so naß: Seit Thea Dorn Adorno ungefragt, denn er war ja schon tot, auf das Bett ihres Prokrustesnamens schnallte - eine Krimiautorin darf nekrophil sein, das ist völlig pc, ich meine das nicht einmal kritisch -, liegt er ganz zur Selbstbedienung da. Noch ein Stück meiner Leber gefällig? Schaun Sie mal: Das Stück Hinterkopf kann die Thea eh nicht brauchen. "Schöne Stellen" hieß ein Aufsatz, in dem er Medleys attackierte, die von Schuberts Leierkastenmann immer nur die Leier spielten... davon hat Classic Radio dann gelernt und spielt drum die Leier nur noch... "Wenn das nicht Dialektik ist!" rief diesbezüglich mein PD Rohs immer aus, 1983 in Frankfurt am Main, Philosophikum Raum 309, er sah gen Love Parade 2004, "antezipierte sie", hätte der Alte gesagt, dessen Name sich nun als Motto zu Motte vertunt, 120 bps: "A-Dorn-oh!", "A-Dorn-oh!", womit der Doktor nicht Thea meint, doch könnte und soll man's vielleicht auch glauben --- auf den schwarzen T-Shirts nicht länger LOVESTERN & GALACTICA... ich sag Ihnen!: überhaupt!: Adorno als Tattoo!!, & zwar auf dem rechten Arschback getragen, das wird absolut hipp, weil das Design nun endlich zur Wahrheit kommt, jedenfalls sofern man sich setzt. Und erhebt man sich wieder... Sie verstehen?: Adorno und der Tanga... das Muster des geflochtenen Sitzes ist seinerseits ein Tattoo im sozusagen Arschgesicht... die Entwicklung jedenfalls insgesamt heiter und - weil wir zu gschaftlhubern verstehen - ausgesprochen lukrativ: Adorno als Cocktail (2 oz Fendant - Sils Maria und so -, 3 oz Cynar, das Ganze mit Cola und Eis zur "Fränkfurt Coketale" gerührt), Adorno auf Bettzeug bei Woolworth, Adorno für VIPs und Adorno für Prolls, da bleibt kein Auge ohne Splitter: Thomas Steinfeld schreibt über "Adorno als nordischer Sozialdemokrat" und Iris Radisch das Erinnerungsbuch "Im Bett mit Adorno", Harald Schmidt tritt hinter Adornomaske, sonst aber völlig in Latex auf, Howard Carpendale komponiert "Mein Wiesengrund, Ein kritisch-theoretisches Musical" (Michael Gielen am Pult, die Regie hat Carolin Reiber), und Liebeskind baut das "Adornoseum op. 111", una fantasia judaica, jedenfalls quasi, am Landwehrkanal, zu dessen Einweihung Didi Hallervorden die Altenberg-Lieder als Karaoke singt (im Playback: Thomas Anders). Auf den Tischen Negative Dialektik an Nutella, Wochen der Frankfurter Schule selbst bei MacDonalds, das Mega-Spar-Menü für den philosophischen Nachwuchs: AdornoNuggets mit dem HorkheimerDip, dazu Habermasfritten, Catchup und Gretelsticks, macht zusammen 3,99, inklusive einem Getränk freier Wahl. Es schmausen am 11. September, wahrhaft katastrophisch, Geburtstag und Zusammenbruch, Widerstand und Affirmation, alle zusammen überaus glücklich, das gesamte Schloß Bellevue beflaggt von Adornos auf Sternenbannern, Nur im Falschen Leben ist Wahres möglich: ein Satz von Günther Jauch, das Mikrophone wandert zu Effenberg, auch der spricht Golden Toasts, bevor man sie röstet, Gerhard Schröder danach, dann Eduard Zimmermann im Norbert-Miller-Duett, die Burgers kommen gar nicht mehr nach, Unser Adorno, Adorno als Waffe, Adorno & Ökologie, AdornoMaskottchen am Rückspiegel baumelnd: Wo Brummi war, soll Adorno werden, Adorno trifft auf Pittiplatsch. Der Vorschul-Adorno und Adorno für die Allerkleinsten. Adorno als Sandmännchen dann, subversiver als jemals ein Mainzelmann, zumal so rasiert. Als Supplemente zur kritischen Gesamtausgabe - in neuer deutscher Rechtschreibung, das wäre ihm wichtig gewesen - die Handbücher schließlich: "Mit Adorno in die Südsee", "Adorno und Tai Chi", "Adornos nichtidentische Hausapotheke", "Adornos Wasser- und Hausgeburt", sowie "Adorno für das reifende Fräulein, herausgegeben von Volker Hage", nicht zu sprechen von "Adorno im Dritten Lebensalter", den Adorno-Pastillen, Adorno-Kugeln und "Adorno, dem Ende des Mundgeruchs". Nun hat ihn also, 34 Jahre nach seinem Tod, der positivistische Gegner endlich umfangen und drückt ihn, für alle Zeiten berühmt, auf den Sockel. Schon heißt es, Steven Spielberg plane, im Stil von Schindler's List, die Verfilmung seines Lebens; in der Hauptrolle Robin Williams, die junge Gretel wird von Julia Roberts gegeben. So auferstehe Adorno in Frieden: Binär und völlig identisch. Geruht hat er im Zwist mit der Welt nun wirklich lange genug. (c) by ANH, August 2003
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