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Alban Nikolai Herbst
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Handtuch |
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"Don't forget your towel!" rief Douglas Adams
aus, "vergeßt bloß euer Handtuch nicht!" Es sei
nämlich so ungefähr das nützlichste Ding, das interstellare
Anhalter bei sich hätten. Daß dies auch für konventionellere
Raumfahrer gilt, liegt auf der Hand. Dennoch wurde Adams' Reiseführer-Literatur
lange Zeit, ja eigentlich bis heute, als ulkige Science Fiction mißverstanden,
was ein ziemlich bequemes Vorurteil ist. Aber ist nicht seit Phileas Fogg
bekannt, der über sein Handtuch freilich geschwiegen hat (er hatte
ja auch Passepartout), wie abträglich Bequemlichkeit einem wirklichen
Reisen ist? Dem geht es schließlich um Realität, nicht um Urlaub.
Auf diese ziemlich krude Grundierung spielte Adams wiederum selber an,
und zwar in einem Interview, das er 1987 gab: "Vor einigen Jahren
machte ich mit Freunden Urlaub in Griechenland. Und da mußten sie
jeden Morgen aufs neue rumlungern, weil ich einfach mein beschissenes
Handtuch nicht fand. Das schien geradezu den Finger in mein liederliches
Leben zu haken, echt furchtbar. Es mußte doch verflixt wen geben,
der so gut organisiert war, daß er jederzeit wußte, wo dieses
Handtuch steckt. Das stellte ich mir dann als Universale Wahrheit vor."
Diese als Reiseerkenntnis getarnte Offenbarung ist nicht nur Fiktion,
sondern hat evidente Dignität. Denn eigentlich gibt es nur eines,
wozu ein Handtuch auf Reisen nicht taugt, aber ich mag hier keine
Grünen-Witze wiederaufzoten lassen. Statt dessen ist auf den bedenklichen
Zustand hinweisen, in welchem sich Hotelkopfkissen gerne befinden, namentlich
in Ländern der Dritten Welt, zu der auch Mittelhessen zählt.
Unter der Wange ausgebreitet garantiert ein eigenes Handtuch, wenigstens
psychisch, antibakteriellen Schlaf. Wiederum sollte ein Reisender kein
zu kleines wählen; man muß zumindest die Schultern damit abdecken
können oder, zwecks Besuchen in Moscheen Kirchen Synagogen, die bloßen
Ober- und Hinterschenkel. Hingegen locker über die Schulter getragen,
dient ein Handtuch der Aufnahme von Schweiß und - in tropischen
Ländern - von Kondenswasser; außerdem schützt es auf Zugfahrten
und bei durch extremistische aircondition gepeinigten Flügen
den Nacken. Auch führt es enorm schnell zu Kontakten mit Eingeborenen
und sonstigen Fremden. Die Frage "Weshalb haben Sie dieses Ding über
der Schulter?" begleitet einen Handtuchreisenden eigentlich permanent,
und zwar ziemlich wurscht, welchen Kulturkreis er gerade besucht. Sowas
kann einem sogar Zuhause passieren und zu privaten Einladungen führen,
zu größeren Abendessen, an der Waterkant auch schon mal zu
einer unentgeltlichen Passage. Besonders gern wird die Frage in der Oper
gestellt, seltener in Konzerthäusern und Museen; in Restaurants hingegen
verkneifen die Leute sie sich immer, aufgrund eines, fürchte ich,
üblen hygienischen Vorbehalts. Schon deshalb sollte man sehr darauf
achten, daß den Stoff keine Flecken entstellen. Aber das gilt für
Kleidung ja insgesamt. Das Handtuch dient darüber hinaus als idealer
Sonnenschutz, sei es nach arabischer Art direkt um den Kopf geschlungen,
sei es am Strand zwischen Stöcke gespannt. Man verwendet es zum Brilleputzen
und um verdächtig wirkende Bestecke sowie Kaffeetassen europäisch
aufzupolieren, weshalb bei seiner Anschaffung darauf zu achten ist, daß
es nicht fusselt. Insgesamt sollte man, abschließend bemerkt, ladenneue
Handtücher meiden. So viel zu dem billigen Gegenargument, man könne
sich sowas unterwegs doch jederzeit kaufen, was solle denn dieser quatschige
Ratgebertext??! Nein nein, wir wissen schon ziemlich genau, was wir hier
schreiben. Denn, so noch einmal Adams: "There's a frood who knows
where his towel is." (c) by ANH, Berlin, Juni 2003
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