Reden - Vorträge
- Essays |
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Kleine poetologische Anmerkung. - Für das Literaturhaus
Köln und die Veranstaltung am 17. Januar 2007. |
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Die
Erzählung entstand nach Teilnahme an einem Symposion zur Fantastischen
Gegenwartskunst 2005 im Niederösterreichischen Landesmuseum Linz. Meinem
Verfahren entspricht, daß so gut wie alle Rahmenangaben der erlebten
Realität entsprechen; man kann die Orte besichtigen, sie sind gewissermaßen
abgeschrieben. Das gilt auch für die Tanz- und Sangesdarbietung selbst:
das Zentrum der Erzählung, aus dem sich alles ergibt. Auch Isabella
Vergana ist ‚nach der Natur‘ beschrieben; nur hieß sie
anders. Die Darbietung selbst gab es. Ebenfalls sind die Personen der Rahmenhandlung
real, anders als bei der Vergana „stimmt“ sogar aller Namen;
d.h. sie sind nachrecherchierbar. ...
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Eine kleine Spekulation zu Offenbachs Antonia-Arie.
(November 2006) |
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„Der
Ruhm wiegt das stille Glück nicht auf, das mich im Haus meines Geliebten
erwartet!“ singt Antonia. Als ginge es darum. Und als wäre nicht
Hoffmann ein Trinker. Man kann sich diese Art Ehe schon vorstellen, in die
der Vater sie gern gäbe: entkräftet, ferne dem Mythischen, das
alle Musik i s t – und damit, ganz patriarchal, ferne der weiblichen
(nämlich schöpferischen) Urkraft. Ausgerechnet der Teufel (eine
Art Teufel) wird es sein, der sie an diese erinnert und damit ans L e b
e n erinnert und was es denn sei. Bürgerlich gilt: Zieh den Kopf ein,
falle nicht auf, sei leise und angepaßt, dann geschieht dir nichts.
Aber es geschieht dann eben auch kein Leben mehr, sondern im günstigsten
Fall ergibt’s im Alter die Rente, und auch in dieser nurmehr Stillesein,
ja kaum mehr atmen. ...
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42 Partikel. - Vortrag im Rahmen der Tagung "Medienkonzepte und Medieninnovation 1950-2000", Universität Siegen, 16.12.2005. |
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Ich spreche von Ich, weil Ich keine normative, also normbildende Größe ist, sondern seinerseits ein bedingter Zusammenhang. Auf diese Bedingtheit nimmt jeder Satz eines Textes Bezug, sagt aber auch, indem er Ich sagt, es sei da mindestens ein Du, das ihn nicht nur empfange, sondern auch aufnehmen, also verarbeiten und reflektieren, das heißt: zurückspiegeln könne. Daß dieses Du oder diese mehreren Dus genau die richtigen sind, um Ich aufzunehmen – daß sie insoweit Ich-Funktionen sind – ist ein Enthymem jeglichen vor allem künstlerischen Schreibens. Indem dieses Schreiben auf dem Weg des Internets nun in die Sozialsysteme eingreift und in ihnen neue Dynamiken in Gang setzt, werden die objektiven Subjekt/Objekt-Konstellationen in projektive (subjektive) Zusammenhänge überführt. Etwas, das bis dahin den Künsten und den spekulativen Wissenschaften vorbehalten war, materialisiert – realisiert – sich nunmehr gesellschaftlich. ...
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Einige Thesen zu einer möglichen Poetologie des Weblogs. - Öffentlicher Vortrag im Rahmen des Symposions "Literatur und Strom", Literaturhaus Stuttgart, 10.11.2005. |
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... „erst mit arrangierter Wirklichkeit“, schrieb mir ein Leser in mein Literarisches Weblog, „mache ich ein wahres Bild der Wirklichkeit sichtbar. Und/aber dann wird/ist es Literatur.“ Genau hierüber will ich heute nachmittag sprechen, sowohl über das Faktum wie über den Prozeß. Denn es handelt sich weniger um einen Gegenstand der Betrachtung, als um ein sich fortwährend weiterschreibendes Geschehen. Das genau unterscheidet ein Weblog überhaupt sowie das Literarische Weblog im besonderen von einem Buch. Dieses ist immer fertig, jenes entsteht...
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Zu Robert HP Platz. |
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Robert HP Platz träumt den Traum einer harmonischen Totalität. Was in seiner Musik und durch sie wirkt wie in uns allen, die wir das Fragment verdächtigen, letztlich doch nichts zu sein als ein Ausdruck mangelnder Gestaltungskraft, ist die Hoffnung auf eine Erlösung im Zusammenhang. Das ist sehr wohl ein religiöses, wenn auch gottfreies Gefühl. Aufgehoben sein, in einen Zusammenhang gebettet sein, gut und sinnvoll sein. Insofern schreibt Robert HP Platz eine hochgradig soziale, eine sozial verpflichtete Musik – eine, die ihre Wurzeln in der Gemeinschaft hat. Oder sie dort haben möchte...
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Ricarda Junges erste Prosa gegen den moralischen Konsens
- Laudatio zur Verleihung des George-Konell-Preises 2005. |
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wenn Ricarda Junge von Amerika spricht und die USA meint, dann geht es letztlich
immer um Deutschland, um ein anderes aber als das, was ihren Figuren hinterlassen
wurde, - ob sie nun Schnitzer oder Barenberg heißen. Insbesondere
die Protagonistinnen schauen auf die USA wie auf einen begehrten, doch sich
entziehenden Mann; Ricarda Junges Prosa, deren Entwicklung ich seit ihren
Zeiten im Jungen Literaturforum Hessen verfolge, hat, ob nun bewußt
oder unbewußt, ein erstaunliches literarisches Stellvertreterverfahren
entwickelt...
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Zu einer Poetik des Phantastischen |
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Die
Seele der Fantastischen Literatur ist anders als ihre Manier konservativ,
ihr kaltes Herz glaubt nicht an Entwicklung. "Die Alten waren, die
Alten sind und die Alten werden sein." Das hat sie anfällig gemacht
für die politische Rechte, auch für Rassismus, und diese Ferse
wird ihr, wie Achilles, bleiben. Es beschreibt aber auch ihre Wahrheit.
Denn ihr heißes Herz beharrt auf Widerstand. Sie gehorcht nicht, -
nicht einmal ihren eigenen Bewegungsgesetzen, geschweige denn Konventionen.
Darum eignet sie sich besser als jede andere Dichtung zum Instrument poetischer
Erkenntnis...
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Erstmals erschienen in die horen, Zs. für
Literatur, Kunst und Kritik, Nr. 217, 1. Quartal 2005. ISSN 0018-4942/ISBN
3-86509-265-9 |
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Vorstellung & Einführung. Literaturhaus Berlin
am 14.04.2005 |
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es gebe – so begann ich seinerzeit meine Rezension über Dorothea
Dieckmanns so beklemmenden wie hinreißenden Roman GUANTÁNAMO
- nicht viele Bücher, die mich benommen entließen. Eben nicht
entließen. Die mich bescheiden machten. Mich beschämten. Dieser
Roman aber gehöre dazu. Ich möchte heute abend noch etwas weiter
gehen, denn es ist seit meinem LektüreEindruck einige Zeit verstrichen,
ohne daß er an Intensität abgenommen hätte. Ich möchte
heute abend sagen und Ihnen ans Herz legen, es sei notwendig, dieses Buch
zu kennen. Es gehört für jeden, der in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur
mitreden möchte, in den Kanon...
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Die
Zeiten sind nicht härter als sonst, aber daß sie’s nicht
sind, kaschiert sich zunehmend weniger. Und die Elenden leben nicht mehr
angenehm darin. Wenigstens das doch hatte die soziale Marktwirtschaft ihnen
erlaubt. Schlupflöcher bietet nur noch der Fantastische Raum...
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Trotzig,
weil im Beharren und Behagen des Traditionalisten, zu dem er geworden ist,
operiert Prometheus mit Fleisch, Blut und Retortengeschöpfen. Zudem
schmerzt ihn noch immer die Leber. Gleichwohl hat er sich längst in
die elektromagnetischen digitalen Denkvorgänge organisiert. Die drehen
ihm jetzt die Nase in seinen noch immer allzu-selbstbewußten Anthropozentrismus
zurück.
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die phantastische Literatur ist ein Zweig der Metaphysik und direkt der
Erkenntnistheorie zugeordnet: Und in fantastischen Räumen ist sie ihre
sinnliche Erscheinung, worin sich Innerer (psychischer) und Äußerer
(materialer) Raum, transzendenter und immanenter, übereinanderlegen.
Dieser macht den Eindruck, dessen Objektivation zu sein. Deshalb kommt es
manchem Rezipienten nahezu unausweichlich so vor, als beträten er nicht
ihn, vielmehr betrete er uns, kleide uns innerlich aus, übernehme uns,
werde ein Teil von uns – oder, um es mathematisch auszudrücken,
wir werden zu seiner oder doch e ine r Funktion seiner vielen.
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bisweilen lese ich gern in Wolf v. Niebelschützens als feudalistisch
verpönten Schriften, - mit den gemischten Gefühlen, selbstverständlich,
eines durch die Demokratie Geprägten. Doch trägt feudalistisch
auch einen ästhetischen Sinn, nämlich hier den barocken, dem derzeit
nur noch die Literatur eines einzigen Kontinents an Zersplitterung und dennoch
seelischem Zusammengehören und zugleich poetischer Strahlkraft nahekommt:
die des südamerikanischen.
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Es
gibt ein Recht des Menschen auf literarische Identifikation: auf sichWiedererkennen.
Wie problematisch, letzten Endes nämlich religiös dieser Satz
immer auch ist, bildet er doch ein tiefes Bedürfnis von Lesern ab,
das vielleicht in der Identifikation mit anderen als von demelben Stammes
seinen anthropogenetischen Ursprung hat.
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als Hans Deters, ungefähr meines Alters und wie ich selbst einer Familie
mächtiger Nazi-Funktionäre entstammend - das "ungefähr"
schreibe ich, weil Ähnlichkeit poetisch deutlicher ist als Identität
-, als dieser Hans Deters, der mich nun schon durch vier meiner Romane begleitet
und auch in einem geplanten nächsten wieder Gestalt annehmen wird ...
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Antimilitaristische Spekulationen zum Thema Krieg &
Katharsis - Rede vor der Deutschen Literaturkonferenz am 23. März 2002
in Leipzig. |
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Ich halte konventionelle Kriege weder für ein zivilisatorisch opportunes
Mittel, noch überhaupt für geeignet, welche Gewaltdrohung auch
immer von unseren Gesellschaften fernzuhalten. Das heißt nicht, daß
ich nicht die Notwendigkeit von Gewaltmaßnahmen bisweilen begriffe...
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Kleine Poetik des Reisens |
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Niemand
müsse, der Welt erkennen wolle, sein Dorf verlassen, schrieb Laotse.
Es kann sein, daß dieser Satz nicht stimmt, aber auch, daß er
wahr ist. Dann verläßt sein Dorf, wer sich selbst sucht...
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Ich habe meine Zeit nicht begriffen. Mein Welt-, Natur- und Selbstbild ist
insofern grundsätzlich gestört, als es sich für ein abgerundetes,
ja in sich ruhendes und obendrein vollständiges hält. Ich glaube,
über meine Welt verfügen zu können...
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Antwort auf Michael Kleeberg - Erschienen im April 2000 in der Literarischen Beilage der "Welt". |
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Nun also! Ich erkläre hiermit öffentlich, daß ich Neonazis nicht mag und daß mir ihre Präsenz Angst macht. Ich erkläre aber mindestens so öffentlich, daß ich mich weigere, sie zu hassen. Ich hasse sie weder aufgrund der Inhalte, die sie vertreiben und in ihre Opfer hinein- oder diese aus ihrer vermeintlichen Heimat hinausprügeln wollen, noch gar wegen ihres „Aussehens“, das mir nicht in einem stärkeren Maß „widerlich“ ist als das irgend eines Serienmörders, eines Fußballers, eines Popstars, eines Diktators oder eines Beamten. Sehen Sie mir bitte die Termini nach, aber es sind die Ihren....
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zur Verleihung des Literaturpreises der Literatur Nord |
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Die Puristen – und es gibt sie auch politisch! – haben sich,
überm Machtverlust grummelnd - zurückziehen müssen, und das
lyrische Gejammere, welches die deutschsprachige Literatur vierzig Jahre
lang als eunuches Basso continuo eines meaculpen Bewußtseins grundierte,
das vor allem darunter litt, eigentlich nicht schuld zu sein, ist leck geworden...
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Kein Abgesang, sondern Plädoyer |
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Zur
Mode wurde zu behaupten, der Unterschied zwischen sogenannter ernster und
unterhaltender Literatur sei überholt; imgrunde habe es ihn nie gegeben.
Ja es nenne sich ernste Literatur eigentlich nur deshalb "ernst",
weil die Dichter...
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aus Anlaß der Verleihung des Phantastik-Preises
der Stadt Wetzlar, 16.09.1999, gehalten von einem Feinde |
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Alban
Nikolai Herbst hat mich gebeten, den ihm verliehenen Preis an seiner Stelle
entgegenzunehmen. Darüber hinaus erwartet er, daß ich einige
Sätze zu Ihnen spreche, die nicht nur seinen Dank erstatten, sondern
Ihnen auch einige seiner grundlegenden Positionen nahebringen...
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Über das Wohlverhalten in Text & Betrieb,
nämlich: Warum es keinen richtigen Streit mehr gibt und Weshalb die
Leute, anstatt zu hassen, sich öffentlich lieber zu Tode lieben. |
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Leider
gibt es das Mißverständnis der Identität. Also ich, der
ich hier spreche, sei der, der, was ich spreche, geschrieben hat oder sei
gar ein Ich ganz allgemein...
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Zu Heimito von Doderers 99. Geburtstag. |
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Unter
Rezensenten grassiert eine Seuche. Irgendwann vor ein paar Jahren traten,
damals nahezu unbemerkt noch, die ersten Krankheitsfälle auf, man steckte
sich schrecklich an aneinander, nämlich die Köpf’ wie immer
zu nahe zusammen, und mittlerweile liegen aufgrund solch inzestuöser
Pathologie die Feuilletons wochenlang lahm; Jean Paul - doch selbst auf
ihn griff er über - der grosse Johannes Paulus also hätte den
Virus füg- wie rechtlich Jubilationserreger benannt. Seiner erwehren
lässt’s sich allenfalls dadurch, dass man zu früh zum Abfeiern
geht. Das nimmt dem Virus seine Virulenz, und wer dann pünktlich kommt,
kommt zu spät. Worauf man auch mit Wutanfällen nicht mehr angemessen
reagieren kann. Womit wir beim Thema wären. Bei Doderer nämlich,
dem Anfallsdichter der Weissglut. In diesem Jahre wäre er dieser einhundert
geworden, - lebte „das Reptil“ denn noch; so hat seine Gefährtin
Dorothea Zeemann ihn genannt...
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Marino
sah, meine sehr verehrten Damen, die Rose, wie Adam sie im Paradies
zu sehen vermochte, und fühlte, sehr geehrte Herren, daß
sie sich in ihrer Ewigkeit befand, nicht in seinen Worten, und daß
wir, lieber Uwe Dick, nur zu erwähnen und anzuspielen vermögen,
nicht aber auszudrücken, und daß, liebe Preisrichter,
die mächtigen und hochmütigen Bände...
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Mousonturm Frankfurt am Main, 6. Juni 1995 |
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Noch immer ist die Selbstbezüglichkeit da, aber angeschlagen bereits
und - verwundet. In diesem Sinn hat Hettches strapazierte Metapher der Wunde
in NOX volles Recht. Doppelte Selbstbezüglichkeit also, die - mißt
man das neue Buch am alten - in eine ganz erstaunliche Offenheit führt.
Ihr wird oft die Musikalität geopfert und bisweilen sogar der schöne
theoretische Klang einer so modernen wie modehaften Klassizität. Das
Buch macht sich von allem Anfang an verwundbar. NOX verläßt sehr
bewußt die Monade einer harmonischen Unangreifbarkeit und steigt in
fließendes Wasser...
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Eine literarische Spekulation über Hans Henny
Jahnn und Medea |
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Deshalb müssen die Frauen zwar hingenommen, aber erniedrigt und in
ständiger Wiederholung niedergeworfen werden. Damit man sie auch glauben
kann, muß man die Zerschlagung des Matriarchats stets neu inszenieren. Im
Epilog des Flusses ohne Ufer heißt es von den Frauen, sie seien "Etwas
mechanisch Erwärmtes, das man nach dem Gebrauch vergessen darf."
Und weiter vorne: "Sie alle haben Brüste. Sie alle haben die Gleitbahn,
auf der wir ausrutschen." Jahnns Texte aber rutschen auf sämtlichen
Sümpfen des Patriarchats: daß sie dessen Mechanismen mitunter dekouvrieren,
soviel analen Modder ihr Autor darüber auch immer wieder auskippt,
das macht sie zu einer in aller Ambivalenz bisweilen großen Literatur.
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zuletzt erschienen in "L. Der Literaturbote, Nr.
75", Frankfurt am Main, Oktober 2004
www.literaturforum-frankfurt.de |
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